29.10.2018

"Das Ergebnis der Landtagswahl ist eine Zäsur"

JU-Chef Doleschal fordert jüngeres und frischeres Auftreten der Partei

Der Oberpfalztag des Bezirksverbands der Jungen Union am Samstag, 27. Oktober, stand ganz unter dem Zeichen der vergangenen Landtagswahl und der im kommenden Jahr anstehenden Europawahl. Nachdem Christian Doleschal, JU Bezirksvorsitzender und Spitzenkandidat der JU Bayern und der CSU Oberpfalz für die Europawahl 2019, und Heimat- und Finanzminister Albert Füracker, ihre Bilanz zur Landtagswahl gezogen hatten, wurde in einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion die Oberpfalz als europäische Erfolgsgeschichte in den Blick genommen.

„Ich weiß noch genau, wie ich damals im Jahr 2004 vom Maibaumaufstellen in Brand zur Welcome Europe Party in Waldsassen gefahren bin. Ich war gerade 16 Jahre alt. Dort durfte ich die Wiedervereinigung Europas miterleben und mitfeiern.“ Mit diesem sehr persönlichen Erlebnis leitete Doleschal, Vorsitzender der JU Oberpfalz und Spitzenkandidat sowohl der CSU Oberpfalz als auch der JU Bayern für die Europawahl 2019, den Höhepunkt des Oberpfalztags, die Podiumsdiskussion zum Thema „Die Oberpfalz – von der Grenzregion zur Aufsteigerregion im Herzen Europas“, mit hochkarätigen Gästen ein.

Moderiert von Doleschal sprachen Johann Bögl, Gesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender der Firma Max Bögl, Albert Füracker, bayerischer Heimat- und Finanzminister, Emilia Müller, ehemalige Europaabgeordnete und Europa-, Wirtschafts- und Sozialministerin a. D., sowie Albert Deß, der scheidende Oberpfälzer Europaabgeordnete darüber, wie die Grenzregion der Oberpfalz besonders durch die EU und ihre Osterweiterung profitiert hat. Müller wie auch Füracker wussten zu berichten, wie 2004 die Stimmung in der Bevölkerung war: Man machte sich Sorgen um den Arbeitnehmerzuzug aus Tschechien. Der Beitritt wurde sogar als Bedrohung wahrgenommen. Deß fügte noch hinzu, dass es damals häufig nur ein einziges Schild auf Tschechisch in den Gaststätten und Innenstädten gegeben habe: „Stehlen verboten“. Doch all diese Befürchtungen haben sich ins Gegenteil verkehrt. Die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Tschechien, mit dem die Oberpfalz eine 198 Kilometer lange Grenze – und damit mehr als die Hälfte der bayerisch-tschechischen Grenze – verbindet, bedeutete vielmehr wirtschaftlichen Aufschwung für beide Seiten. Der Bauunternehmer Bögl ergänzte, dass man ohne osteuropäische Mitarbeiter die Infrastruktur in Deutschland gar nicht mehr aufrechterhalten könnte, da es hierzulande kaum mehr Bauarbeiter gebe und die EU-Osterweiterung eine riesige Chance gewesen sei, die auch genutzt wurde.

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich in jedem Fall einig: Es brauche in Zukunft Europaabgeordnete, die sich mit jugendlicher Kraft und viel Elan für ein geeintes Europa einsetzen und auch durch ihr eigenes Beispiel begeistern können. Nur so könne die Erfolgsgeschichte, die Europa für die Oberpfalz bedeutet fortgeführt werden. Auch zwei eingespielte Videobotschaften von Ministerpräsident Markus Söder und dem EVP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber stärkten Doleschal deutlich den Rücken für seine Kandidatur.

Eine Erneuerung hatten zuvor schon Doleschal und Füracker in zwei Redebeiträgen gefordert. Sie gingen hart mit dem Ergebnis der Landtagswahl ins Gericht. Für Doleschal bedeutet sie eine Zäsur. „Wir sind zu Boden gegangen, aber angezählt nochmal aufgestanden“, so der JU-Vorsitzende. Nun bedürfe es sowohl einer inhaltlichen wie personellen Erneuerung und vor allem auch Verjüngung. Nach den Koalitionsverhandlungen brauche es einen Sonderparteitag, der einen personellen Neuanfang einleite. Es seien zu viele Fehler gemacht worden, so beim Diesel, im Fall Maasen und bei den koalitionsinternen Streitigkeiten. Zudem müsse die Marke CSU als moderne, junge und hippe Volkspartei wieder gestärkt werden. Darin sehe er die große Aufgabe der Jungen Union. Füracker sprach Emilia Müller und Albert Deß seinen Dank aus, auch für die Chance von Doleschal, auf einem aussichtsreichen Platz zu kandidieren. Er sagte ihm dabei volle Unterstützung zu. „Wir werden alles dafür tun!“, so Füracker. Das Ergebnis der Landtagswahl sah er vor allem in Berlin begründet. Neben dem Thema Diesel sei dies der unionsinterne Streit gewesen. „Man kann nicht einen 62 Punkte-Plan vorlegen und nur, weil man sich in einem Punkt uneinig ist, unter Schwesterparteien einen achtwöchigen Streit anfangen.“ Großen Dank hatte er aber für die Junge Union übrig, ohne deren Einsatz er sein Ergebnis „50+“ nicht hätte erreichen können.

Zum Abschluss der Veranstaltung schwor Doleschal seine JU noch einmal ein: „Wir sind eine schlagkräftige Truppe. Wenn wir’s anpacken, haben wir alle Chancen!“


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JU Oberpfalz
Redebeitrag von Christian Doleschal
Podiumsdiskussion
Eröffnung des JU-Oberpfalztages
Albert Füracker
Christian Doleschal