26.11.2023

Wie kann ein grenzüberschreitender Rettungsdienst gelingen?

Über diese Frage informierten sich JU-Kreisverbände in Südostbayern im Rettungszentrum Furth im Wald

Immer wieder klagen Blaulichtorganisationen in den Grenzbezirken über rechtliche Hindernisse und Graubereiche, auf die sie bei ihren Einsätzen stoßen. So auch die Rettungskräfte der Rot-Kreuz-Wache in Freilassing bei einem Besuch der Jungen Union BGL im letzten Jahr. Die Jungpolitiker versprachen, sich der Sache anzunehmen und nahmen Kontakt mit der Landesgeschäftsstelle des Roten Kreuzes auf. Manfred Maurer, der dortige Projektleiter für den grenzüberschreitenden Rettungsdienst, freute sich sehr über das Interesse und lud daher die Mitglieder der Jungen Union nach Furth im Wald ein. Im dortigen Rettungszentrum werde bereits vorbildlich gezeigt, wie zwei unterschiedliche Strukturen aus Deutschland und Tschechien zusammenfinden und rechtssicher arbeiten könnten.

Neben den JUlern aus dem Berchtesgadener Land, die diese Fahrt organisiert hatten, waren auch Vertreter aus Freyung-Grafenau und Cham dabei, da diese Einrichtung für den ganzen südostbayerischen Raum von Bedeutung ist. „Eine JU-Veranstaltung mit dieser Kombination an Kreisverbänden aus drei Bezirken dürfte auch einmalig sein“, konstatierte Gerhard Hopp, der Landtagsabgeordnete aus Cham, bei seiner Begrüßung.

Theo Zellner, der Kreisvorsitzende des BRK Cham und ehemalige Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, erläuterte zu Beginn, welch historischen Wendepunkt der Fall des Eisernen Vorhangs für die Region darstellte. Es wurde auch sogleich damit begonnen, Beziehungen zu den tschechischen Nachbarn aufzunehmen und zu vertiefen und sehr bald gab es viele Bewegungen über die Grenze. Doch die Abwicklung von Rettungseinsätzen gestaltete sich dort noch lange Zeit äußerst umständlich, etwa durch Umlagerung des Patienten in ein anderes Fahrzeug beim Grenzübergang oder durch die erschwerte Kommunikation mit den Krankenhäusern beiderseits. 2016 wurde daher ein Projekt zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst ins Leben gerufen, das damit begann, gemeinsame Alarmsysteme zu installieren. Insbesondere zur Finanzierung waren dabei einige Kraftakte nötig. Manfred Maurer berichtete vom aktuellen Kampf um die Weiterfinanzierung. „Wir haben hier wirklich tolle Strukturen aufgebaut, es wäre schade, das alles wegen des Geldes scheitern zu lassen.“

Maurer stellte sodann vor, was das Besondere an der Zusammenarbeit mit Tschechien sei. Es sei hier erstmals gelungen, die bislang zwar funktionierenden, aber juristisch ungeklärten Einsätze auf beiden Seiten der Grenze auf rechtssichere Füße zu stellen und eine Kooperationsvereinbarung mit den tschechischen Regionen Karlsbad, Pilsen und Südböhmen sowie Niederbayern, Oberpfalz und Oberfranken zu schließen und so bestehende Graubereiche aufzuhellen. Die verbesserte Zusammenarbeit finde vor allem bei der Einsatzleitung statt und überhaupt durch mehr Kommunikation untereinander. Auch die Anerkennung der Ausbildung sei ein wichtiges Thema. Die stellvertretende Projektleiterin Tereza Homolkova sei die erste gewesen, deren Sanitätsausbildung in Bayern anerkannt worden sei. „Ganz wichtig ist es, nicht als Besserwisser aufzutreten, sondern mit Wertschätzung gegenüber dem anderen System, dann lassen sich viele Türen öffnen“, so Maurer.

Eine solche Kooperationsvereinbarung soll es nun auch endlich mit Österreich geben, das ebenfalls schon eine mit Tschechien abgeschlossen hat. „Man mag es gar nicht glauben, dass es zwischen Deutschland und Österreich keine einzige geschriebene Regelung zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst gibt. Dafür funktioniert es eigentlich erstaunlich gut, kann aber natürlich keine Dauerlösung sein.“ Derzeit laufen die Verhandlungen zu so einer Rahmenvereinbarung und Maurer ist zuversichtlich, dass diese bald zu einem Abschluss kommen.

Ein funktionierender Rettungsdienst in einem geeinten Europa und einer immer vernetzteren und mobileren Welt könne jedenfalls nur im Sinne aller sein, der Einsatzkräfte wie der Patienten. In diesem Sinne bedankte sich die JU-Kreisvorsitzende Hannah Lotze im Namen ihrer Kollegen bei den Referenten, und alle Teilnehmer versprachen, sich nach ihren Möglichkeiten dafür einzusetzen, dass das Projekt weiter bestehen bleibt und auch für die Region Berchtesgadener Land und Rupertiwinkl Verbesserungen bringt.



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