Fünfziger Jahre

„Die JU hat sich zu einem bestimmenden Faktor in der CSU entwickelt“, sagte 1953 der SPD-Landesvorsitzende Waldemar von Knoeringen , „Ich wäre froh, wenn meine Jungsozialisten mit dieser Entwicklung auch nur annähernd Schritt halten könnten.“ In der Tat vollzog sich der Aufbau der JU in rasanten Schritten. Nicht zuletzt wegen des uneingeschränkten Engagements des damaligen Landesvorsitzenden Franz Sackmann. Der damals erst 24-Jährige fuhr mit einem VW Käfer ausgestattet durch die Landkreise Bayerns, um Ortsverbände zu gründen. Plakate wurden selbst geschrieben und geklebt, Flugblätter und Grundsatzprogramme verteilt und sämtliche Aktionen gestartet. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Bald hatte Bayern so viele Mitglieder wie alle Landesverbände zusammen,

Es ging weiter aufwärts. Mit der Unterstützung des damaligen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Hans Ehard, der für die Jugend eintrat, schafften zahlreiche JU´ler den Einzug in die Parlamente. Inhaltlich schärfte die JU ihr Profil und nahm unter anderem zu sozialpolitischen Fragen Stellung. Mit der öffentlichen Forderung des Eigenheimbaus stellte die JU Bayern ihren Einfluss und ihre Stärke unter Beweis. Gerade durch die Mitgestaltung des Grundsatzprogramms der CSU fand die Junge Union den richtigen Grad der Öffnung, um kirchengebundene Anhänger ebenso einzubinden wie weltanschaulich weniger festgelegte junge Menschen.

Autor: Thomas Breitenfellner
Redaktion: Stefanie Sickinger


Sechziger Jahre

Mit dem Führungswechsel 1961, bei dem Max Streibl zum neuen Landesvorsitzenden gewählt wurde, zeichnete sich nicht nur eine personelle Veränderung in der JU ab, sondern es rückte auch das politische Thema der Entwicklungshilfe in den Vordergrund. Persönliche Kontakte zu Menschen in der Dritten Welt machten die dortigen Probleme zum neuen politischen Thema der Jungen Union. Den Höhepunkt stellte im Mai 1962 die Gründung der Welt-Union der Jungen christlichen Demokraten in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, dar.

Neben der Sorge um die Dritte Welt beschäftigte die JU damals schon die Zukunft Europas. Die Europa-Politik hatte eine erhebliche Auswirkung auf die Diskussion um die deutsche Frage und die Wiedervereinigung. Die JU bekannte sich zu dem Grundsatz „Freiheit vor Einheit“, hielt aber an dem Ziel der Wiedervereinigung fest.

Die größte politische Auseinandersetzung musste die JU aber mit der „Außerparlamentarischen Opposition“, der APO, bestehen. Doch die JU wuchs buchstäblich mit ihren Aufgaben. 1967 hatte sie bereits 26 000 Mitglieder. Gerade die Line des neuen Vorsitzenden Bösewald gegenüber den 68ern mit dem Konzept der permanenten Evolution beeindruckte viele Jugendliche.

Autor: Thomas Breitenfellner
Redaktion: Stefanie Sickinger


Siebziger Jahre

Politische Ideen manifestieren sich immer an Persönlichkeiten. So gesehen waren die Siebziger Jahre für die Junge Union Aufbruch, Selbstvertrauen, Kraft und Erfolg. Es führten der spätere CSU-Vorsitzende Theo Waigel und der später langjährigen bayerische Wirstchaftsminister Otto Wiesheu die Junge Union durch die 70er-Jahre. Aber auch die Liste für die Landtagswahl war eindrucksvoll. Neue und wie man später sah, zurecht hoffnungsvolle Parlamentarier wie Edmund Stoiber, Johann Böhm, Otto Wiesheu, Georg von Waldenfels, Thomas Goppel, Günther Beckstein, Hans Spitzner und Manfred Dumann schmückten diese. Damit wurde die Nachkriegsgeneration abgelöst.

In den 70ern kristallisierten sich zwei Ideen heraus, die in der Folgezeit sehr schnell Allgemeingut der Jungen Union wurden. Das war zum einen die Regionalisierung. Die JU suchte Gleichgesinnte auch außerhalb Bayerns und fand sie in den Jugendverbänden der bürgerlichen Parteien von Salzburg, Tirol, Südtirol, Liechtenstein und Graubünden. Die Idee der Jungen Alpenregion war geboren. Zum anderen kam die Idee der Deregulierung, die heute Bestandteil jeden vernünftigen politischen Programms ist.

Autor: Thomas Breitenfellner
Redaktion: Stefanie Sickinger


Achtziger Jahre

Die 80er-Jahre waren geprägt von personellen Kämpfen sowohl in der Partei als auch in der Regierung. 1980 stellte sich Franz Josef Strauß zur Wahl des Bundeskanzlers. Der Wahlkampf des Jahrzehnts war eingeläutet und ließ auch die JU zu Höchstleistungen auflaufen. Um den linken Gruppierungen entgegenzutreten setzte die Junge Union Bayern diesen ihre eigene Kampagne entgegen mit dem Slogan: „Jugend für Strauß“. Obwohl Strauß nicht Bundeskanzler wurde, tat dies der JU keinen Abbruch. Im Gegenteil - die Junge Union erlebte bei den Mitgliederzahlen ihren Höhepunkt mit fast 55 000 Mitgliedern.

Prägendes Ereignis für die JU´ler war der Regierungswechsel 1982 mit Helmut Kohl. Auch an der Spitze der Jungen Union tat sich einiges. Nach Alfred Sauter folgte Gerd Müller. Eine Erneuerung der angegrauten Mutterpartei war das Bestreben der neuen JU-Chefs. Mit Theo Waigel wurde ein ehemaliger JU-Landesvorsitzener Chef der CSU.

Als sich 1989 das Ende der SED-Diktatur immer deutlicher abzeichnete, wurde die Jugendorganisation sogar zum Motor der Entwicklung. Kurz nach dem Mauerfall, als CDU und CSU noch diskutierten, organisierte die JU eine breite Unterstützung für die junge Menschen in Sachsen und Thüringen, die eine neue und konservative Jugendorganisation aufbauen wollten.

Autor: Thomas Breitenfellner
Redaktion: Stefanie Sickinger


Neunziger Jahre

Die Wendejahre in Deutschland. Mit der Wiedervereinigung veränderte sich nicht nur das politische Koordinatensystem sondern auch die politischen Themen und das Interesse der jungen Menschen an der Politik. Während die Junge Union zehn Jahre zuvor einen starken Zulauf verzeichnet hatte, verlor sie Anfang der Neunziger jährlich fast 2000 Mitglieder. Diesem versuchte der neue JU-Landesvorsitzende Markus Sackmann mit klassischer Verbandsarbeit entgegenzuwirken. Bei diesem Programm alleine blieb es aber nicht: Die JU drängte stattdessen die CSU zu einer Erneuerung ihrer Regierungsmannschaft mit Ministerpräsident Max Streibl. Damit geriet die Junge Union nach einer Veröffentlichung im Münchner Merkur auch öffentlich in einen Zwiespalt zur CSU, die weiter an Streibl festhielt. Mitte der 90er Jahre kam die CSU mit dem neuen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wieder in ruhigere Fahrwasser. Auch die Junge Union wechselte wenig später ihre Führungsspitze. Markus Söder wurde JU-Chef. Auch ihm ging es um Erneuerungen, aber organisatorischer Art. Die Politikverdrossenheit nahm zu und den Parteien liefen Wähler und Mitglieder und vor allem der Nachwuchs davon. Wesentlichen Erfolg hatte Söder mit dem Thema Generationengerechtigkeit, das damals zum ersten mal in den Blickpunkt der Sozialpolitik rückte. Es wurde hierbei ein ausgefeiltes Reformkonzept vorgelegt. Die Thesen stießen vor allem bei den Sozialpolitikern der Union auf harsche Kritik. Doch mit der Einführung des demographischen Faktors konnte die JU für sich einen Erfolg verbuchen.

Nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 nahmen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine die mühsam erkämpften Reformen wieder zurück. In der CSU dagegen fand das Prinzip der Generationengerechtigkeit immer mehr Anhänger. Dass auch die Sozialpolitik der Union sich heute wesentlich daran orientiert, ist nicht zuletzt ein Verdienst der JU und ihrer Forderungen in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre.

Autor: Thomas Breitenfellner
Redaktion: Stefanie Sickinger


Neues Jahrtausend

Stoibers Kanzlerkandidatur 2002 war für die Partei ein Motivationsschub - zur richtigen Zeit. Schon bei der Kommunalwahl war das Klima für die CSU sehr gut. Auch die JU, die als viert-stärkste Kraft hervorging, stellte eine Reihe junger Bürgermeister. Beflügelt von diesem Ergebnis startete die JU mit „Jugend für Stoiber“ den Bundeswahlkampf. Die Junge Union wurde schnell zum Wahlkampfmotor und tourte mit dem Stoiber-Truck durchs Land. Leider versäumte Stoiber um nur 6000 Stimmen den Sieg. Dennoch bedeutete die Kanzlerkandidatur Stoibers für die CSU große Schubkraft und einen deutlichen Zugewinn. 12 JU´ler schafften den Einzug in den deutschen Bundestag.

Mit einem „Jetzt erst recht“ schwebte 2003 die Partei auf einer Welle der Euphorie und erzielte bei der Landtagswahl ein Ergebnis von 60% und damit einer zwei Drittel Mehrheit im bayerischen Landtag. 2003 wurde Manfred Weber in einer knappen Entscheidung zum Landesvorsitzenden gewählt. Monatelanges Werben zweier Lager waren dieser Wahl vorausgegangen. Dem Niederbayern, der der erste Europaparlamentarier an der Spitze der Jungen Union wurde, gelang es, die Gegensätze zu überbrücken und sorgte für eine starke öffentliche Wahrnehmung mit Zukunftsthemen, insbesondere bei der Entwicklung eines neuen Grundsatzprogramms der CSU.

Mit Stefan Müller wurde 2007 wieder ein Bundestagsabgeordneter Chef der Jungen Union Bayern. Vier Wahlkämpfe in nur zwei Jahren machten die Zeit danach zu einem Test für die Kampagnenfähigkeit der Jungen Union. Im Landtagswahlkampf 2008 fuhr die JU Bayern mit "Team Beckstein 08" die größte Wahlkampagne, die sie je auf bayerischem Boden abgehalten hatte. 2009 wurde mit "Generation Aufbruch" eine große Bundestagswahlkampagne mit einer Vielzahl junger Kandidaten durchgeführt. Die JU Bayern schaffte es dabei in der Berichterstattung über den deutschen Wahlkampf 2009 mit ihrer "Nacht der Generation Aufbruch" bis in die New York Times. Die Entwicklungen an der Spitze von CSU und in der Landes- und Bundesregierung haben die Mitsprachemöglichkeit der Jungen Union Bayern deutlich erweitert. Unter anderem ist die JU Bayern nach der Regierungsumbildung 2007, der Landtagswahl 2008 und schließlich der Bundestagswahl 2009 in der Bayerischen Landesregierung und in der Regierungsmannschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel vertreten. Darüber hinaus wurde 2009 mit Dorothee Bär eine JU`lerin stellvertretende Generalsekretärin der CSU und der JU-Landesvorsitzende Stefan Müller zum Parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe ernannt.

Die neuen Erfordernisse der politischen Kommunikation im Web 2.0 stellten auch die JU Bayern vor neue Herausforderungen. Zur Landesversammlung 2010 lud sie als erste Organisation der etablierten Parteien in Deutschland die Netzgemeinde zur Mitarbeit bei einer digitalen Antragsdebatte ein. Bei der Satzungsreform der CSU im Jahr 2010 spielte die JU auch eine herausragende Rolle, zum Beispiel bei der schließlich erfolgreichen JU-Forderung, Mitgliederbefragungen zuzulassen. Die monatelange Debatte um die Einführung der Frauenquote in der CSU, die ihren Höhepunkt beim CSU-Parteitag 2010 in München fand, endete mit einem Teilerfolg der JU, die stets gegen die Quote eingetreten war: Für die Basisebenen der CSU und für die Arbeitsgemeinschaften wurde von einer Einführung der Frauenquote abgesehen.

Autoren: Thomas Breitenfellner, Bernhard Kuttenhofer
Redaktion: Stefanie Sickinger


Seit 2011

Mit Katrin Albsteiger wurde im November 2011 zum ersten Mal eine Frau zur Landesvorsitzenden der Jungen Union Bayern gewählt. Mit ihr stand damit auch zum ersten Mal seit den Achtziger Jahren des vorigen Jahrtausends für zwei Jahre wieder eine ehrenamtliche Vorsitzende, die keinem Parlament angehörte, an der Spitze des Landesvorstands. Durch extensive Arbeit mit den Medien, eine vielbeachtete Social Media Strategie und dem Schwerpunkt auf Basisarbeit gelang es der JU, sich in diesen „ehrenamtlichen Jahren“ weiter als eigenständige politische Kraft zu behaupten. Die große Bewährungsprobe erlebte der Verband im Wahlkampfjahr 2013 mit parallelen Kampagnen für Bundestagswahl, Landtagswahlen und Bezirkstagswahlen. Eine gelungene Wahlkampagne unter dem Motto „Chancen statt Schulden“ zeigte Erfolge: Die „Junge CSU“ war nach den Wahlen wieder mit 16 Parlamentariern in Bundestag und Landtag vertreten (davor: drei). Die Parteispitze überschlug sich mit Lob für die JU: „Die erfolgreichste Zeit der JU, die es jemals gab“ (Ministerpräsident Horst Seehofer); „Die beste JU die ich seit Jahrzehnten kenne“(Generalsekretär Alexander Dobrindt). Gestärkt durch neues Führungspersonal stellte sich die JU Bayern nach den Wahlen breiter auf: Neuer Landesvorsitzender wurde mit Hans Reichhart MdL wieder ein Landespolitiker. Katrin Albsteiger MdB – mittlerweile erfolgreich in den Bundestag eingezogen – sollte den stellvertretenden JU-Bundesvorsitz für Bayern übernehmen.